Josef Hoffman

22 Jun 2016 — 7 Mai 2017 bei MAK in Wien, Österreich

Josef Hoffman. Courtesy of Mak
Josef Hoffman. Courtesy of Mak
12 APR 2017

In diesem Jahr widmet sich das Josef Hoffmann Museum in Brtnice mit der Ausstellung Josef Hoffmann – Josef Frank. Von der „unendlichen Garnitur“ zum offenen System der Beziehung zwischen Josef Hoffmann und Josef Frank. Thematisch schließt sie an die monografische Ausstellung Josef Frank: Against Design im MAK in Wien an. Erstmals werden in Tschechien Arbeiten Franks präsentiert, die durch ihr freies und individuelles, offenes System der Gestaltung der Idee Hoffmanns von der Gesamtgestaltung einer Einrichtung – seinem „Garniturdenken“ – gegenüberstehen.

Bis zu Josef Franks Emigration nach Schweden im Jahr 1933 ist sein Werk auf mannigfaltige Weise mit dem Josef Hoffmanns verbunden. Frank war Gründungsmitglied des Bundes Österreichischer Künstler, der sogenannten Kunstschau, deren Hauptfigur Josef Hoffmann war. Immer wieder arbeitete Frank bis 1920 für Projekte Josef Hoffmanns und für die Wiener Werkstätte, etwa das Landhaus Primavesi in Winkelsdorf (1913/14). Neben Josef Hoffmann übernahm Josef Frank von Heinrich Tessenow das Fach Baukonstruktionslehre an der Wiener Kunstgewerbeschule, wo er bis 1926 unterrichtete. Auch im Rahmen des Deutschen und Österreichischen Werkbunds arbeiteten Josef Hoffmann und Josef Frank häufig zusammen, etwa an der Werkbundausstellung 1930 und der Errichtung der Wiener Werkbundsiedlung 1932.

Im Rahmen der Ausstellung wird deutlich, wie wichtig Hoffmanns Position am Beginn der Moderne für die ihm nachfolgenden Architektinnen und Gestalterinnen war, die den „Wiener Stil“ endgültig internationalisieren sollten. Josef Hoffmann, seit 1899 Professor für Architektur an der Wiener Kunstgewerbeschule, blieb auch nach 1920 dem von ihm und der Wiener Werkstätte propagierten „Garniturdenken“ verpflichtet. Demgegenüber ist Josef Frank als Architekt und Raumgestalter prononcierter Vordenker und selbst Teil einer jungen Generation von Lehrerinnen an Einrichtungen wie der Kunstgewerbeschule, der Akademie der bildenden Künste Wien und der technischen Universität Wien, die sich nach Ende des Ersten Weltkriegs auf die Suche nach einem neuen Stil in der angewandten Kunst als Ausdruck der Zeit machten und den Stil Hoffmanns auflösten.

In ihren Schöpfungen und Ausstellungsgestaltungen realisierten sie das, was zuvor im Jugendstil der Künstlerarchitekt mit Gesamtgestaltungsanspruch übernommen hatte. Vielfältige Anregungen – von der Arts and Crafts-Bewegung über Architekturformen der italienischen Renaissance bis zu volkstümlichen Ornamenten – wurden dabei aufgenommen. Möbel und Innenarchitektur folgen nun keinem gemeinsamen Leitstil mehr, sondern gemeinsamen Gestaltungsmaximen, zu denen weiße Wände, leicht wirkende Möbelformen und Freude am ornamentalen Detail gehören. In diesem Sinne plädierte man für mehr Liberalität in der Einrichtung, eine „demokratische“ Art des Wohnens und Gestaltens, orientiert am Vorbild Adolf Loos, der schon 1898 davon gesprochen hatte, man müsse ein Zimmer „einwohnen“ wie man ein kostbares Instrument einspiele.