Rom. Feuerwerk der Sinne

Geheimen Schätze der Hauptstadt der Welt

8 JULI 2016,
Viertel Trastevere in Rom
Viertel Trastevere in Rom

„Ich kann sagen, dass ich nur in Rom empfunden habe, was eigentlich ein Mensch sei. Zu dieser Höhe, zu diesem Glück der Empfindung bin ich später nie wieder gekommen.“ - Johann Wolfgang von Goethe

Rom ist eine Stadt der Sinne. Die Flut an Reizen lässt durch und durch lebendig fühlen. Am Morgen wecken einen der Lärm der Motorini, das Rattern der Metallläden, die zum Öffnen der Bars und Geschäfte hochgeschoben werden und die fröhlichen Grüsse, die sich Giovanni und Francesca zurufen. Rom erwacht.

Der betörende Geruch eines Caffè, der schnell al banco geschlürft wird, ist noch einige Male im Verlauf des Tages zu riechen. Durch die Strassen schlendernd, mischt sich der frische, blumige Duft blühenden Jasmins, der elegant an den Fassaden der Palazzi hoch wächst, mit dem herzhaften Aroma eines langsam schmorenden Sugos, der aus manch einer Osteria und Trattoria strömt.

Auf Schritt und Tritt begleitet einem jahrtausendalte Geschichte. Zufällig trifft man auf Säulen von Tempeln, die sich wie selbstverständlich in die Strassen mit eleganten Palazzi und malerischen Piazze eingliedern, eine wahre Augenweide.

Die Ewige Stadt - ein Fest aller Sinne. Diese Einzigartigkeit der italienischen Hauptstadt zieht jährlich Millionen von Touristen an. Rund um die touristischen Hauptattraktionen spriessen Restaurants mit Foto-Menus und Kellnern, die in gebrochenem Englisch um Kunden buhlen, aus dem Boden. Oft ist das, was hier auf dem Teller landet, enttäuschend. Schade, denn die Römische Küche hat viel zu bieten. Nebst der Vorliebe für Innereien hat sie auch Gerichte, die jedermann ansprechen. Eine einst Arme-Leute-Küche, die heute bei Einheimischen und Touristen beliebt ist und weltweit kopiert wird. Nicht wie in anderen Ländern wo gewisse typische Nationalgerichte nur selten gegessen werden, stehen in Römischen Haushalten Klassiker wie Spaghetti alla Carbonara, Bucatini all’amatriciana oder Spaghetti Cacio e Pepe regelmässig auf dem Esstisch.

Hier werden einige Adressen aufgeführt, die dieses Feuerwerk der Sinne spüren lassen:

Um mit einem exzellenten Caffè in den Tag zu starten, sind Tazza d’Oro und St. Eustachio, beide ein Katzensprung vom Pantheon entfernt, ideale Adressen. Immer voll und laut, wird hier der richtige italienische Kaffee mit schöner Crema zelebriert.

Um genügend Zeit zum Entdecken der Stadt zu haben und beim Mittagessen nicht Stunden im Restaurant zu sitzen (dies kann dann abends geschehen) ist Trapizzino, eine trendige Adresse im lebendigen Quartier Testaccio im Süden Roms. In dreieckigen Pizzateig-Taschen kann zwischen saftigen Polpette al Sugo, würziger Lingua in Salsa verde, zartem Pollo alla cacciatora oder unglaublich aromatischer Melanzane alla Parmigiana als Füllung gewählt werden. Eine sehr leckere und günstige Adresse mit Kult-Potential.

Das Kult-Potential schon erreicht hat Gabriele Boncis Pizzarium nahe dem Vatikan. Der ehemalige Türsteher hat sich der Kunst des Brotbackens sowie der Küche gewidmet und zieht mit seinen kreativen Pizze in Teglia (Salsiccia/Broccoli/Mozzarella, Birne/Scamorza affumicata/ Baumnüsse oder Radicchio/Kürbis/Pinienkerne um nur einige Beispiele zu nennen) nebst den Einheimischen auch Touristen aus der ganzen Welt an. Die Grösse der Stücke kann selber gewählt werden – oft sind die Augen grösser als der Magen...

Im Quartier Monti ist die Antico Forno ai Serpenti eine ideale Adresse für ein kleines, günstiges Mittagessen. In dieser modernen Bäckerei gibt es, nebst einem Mittagsbuffet, köstliche Pizza in Teglia. Für das obligate Gelato am Nachmittag sind die Gelateria dei Gracchi oder die Gelateria Brivido ein Paradies. In beiden Gelaterie wird unter Verwendung bester Zutaten in Handarbeit cremiges, leckerstes Eis hergestellt.

Wird die Lebhaftigkeit der Stadt etwas zu viel, bietet das Chiostro del Bramante – ein Katzensprung von der Piazza Navona entfernt – eine ruhige, fast mystische Oase im Grossstadtchaos. Im zauberhaften Innenhof kann ein Caffè, ein leichtes Mittagessen oder ein Aperitivo genossen werden.

Die Bar del Fico bietet hingegen eine Pause mitten im pulsierenden Rom. Nahe der pitoresken Piazza del Fico befindet sich diese Bar, die von einem jungen, eher alternativen Publikum frequentiert wird. Zum Aperitivo wird ein grosszügiges Tellerchen mir Käse, Salame und Gemüse serviert. Al Vino Al Vino im malerischen Monti Quartier war Liebe auf den ersten Blick. Diese unkomplizierte und urgemütliche Vinothek hat eine Weinkarte mit wahren Trouvaillen. Das Glas oder die Flasche Wein kann bei einem Tellerchen Käse und Wurstwaren aus Lazio genossen werden. Hier scheint die Zeit still zu stehen.

Für ein authentisches Abendessen empfiehlt sich eine gute Osteria oder Trattoria. Für die warmen Monate (in Rom sind es zum Glück viele) ist Da Lucia im lebendigen Trastevere eine tolle Adresse. In einem der typischen kleinen Strässchen dieses Quartiers kann nebst parkierten Motorini und frischer Wäsche, die vor den Fenstern an der Leine hängt, die wahre römische Küche genossen werden. Spaghetti alla Gricia (mit reichlich Pecorino Romano, Guanciale und Pfeffer), Involtini alla Romana oder Vignarola (Saubohnen, Erbsen, Artischoken und Speckwürfelchen) – ehrliche Küche zu fairen Preisen.

Dank Milchglasfenstern und dezentem Namensschild von aussen kaum zu finden – gute Trattorien brauchen keine Hinweisschilder – tritt man beim Öffnen der Türe bei Perilli in Testaccio in eine pulsierende Trattoria und begibt sich auf Zeitreise. Das Interieur sowie auch die Servierwagen, auf denen die adrett in Anzug gekleideten Servierer grosszügige Schüsseln mit *Spaghetti alla Carbonara oder Bucatini all’Amatriciana servieren, scheinen direkt aus den 70er Jahren zu stammen. Mit Stolz erzählt der Besitzer, dass das Restaurant seit Generationen seiner Familie gehöre und er es nun mit Onkel und Cousin und mit viel Passion führe. Diese Passion war sowohl in Speis und Trank als auch in der Atmosphäre zu spüren.

Dies sind nur wenige der unzähligen kulinarischen Highlights, die Rom zu bieten hat. Sei es bei einem Gelato, einem Cappuccino mit Brioche oder einem Teller herzhafter Pasta – Augen, Nase, Gaumen, Ohren, ja der ganze Körper, lassen sich ein auf ein Fest aller Sinne.

Tazza d’Oro, Via dei Pastini, 11, Sant’Eustachio, piazza di S. Eustachio, 82, Trapizzino, via Giovanni Branca, 88, Pizzarium, via della Meloria, 43, Antico Forno ai Serpenti, via dei Serpenti, 122 , Gelateria dei Gracchi, via dei Gracchi, 272, Gelateria Brivido, via Giovanni Battista Bodoni, 62, Chiostro del Bramante, via Arco della Pace, 5, Bar del Fico, piazza del Fico, 26, Al Vino Al Vino, via dei Serpenti, 19, Da Lucia, vicolo del Mattonato, 2/B, Perilli, via Marmorata, 39.