Graffiti als Politthermometer

"Unsere Meinung wird überall angekommen sein"

28 OKTOBER 2015,
Metro, Taki 183 Graffiti
Metro, Taki 183 Graffiti

Seit dem Anfang der Wandmalerei Ende der 60er Jahren, war allen Gesellschaftsteilnehmer bewusst; es handelt sich um eine Stimme. Von den legendären New Yorker Junge „Taki“, der erste bekannte Graffitimaler, bis zur heutigen Szene, sind mehr als 45 Kalender abgerissen. Die Zeit hat zwar Spuren hinterlassen aber hat uns auch verschiedene Styles beschert.

Ganz abgesehen davon, ob es Kunst, Verbrechen oder Renaissance der Höhlenmalerei ist, ist es uns wichtig in diesen Zeilen die soziologische Bedeutung der Nachrichten analysieren zu dürfen. Durch all diese Jahren hat man versucht diese Stimmen stumm zu halten unter der These; es sei grundsätzlich ein Zerstörungsakt. In New York der 70er und 80er Jahren wurden einige Graffitikünstler sogar in psychiatrische Kliniken eingewiesen. Es war keine Schreiblust sondern eine Mischung von Kunstmalerei und Kommunikation bzw. Protest. Die erste Künstler waren Underground Personen, die deren Meinung ausdrucken wollten und zwar auf eine ganz originelle Art und Weise. Diese Generation der Graffiti Sprayer, so nennt man die Graffitikünstler in der Underground Umgebung, waren meistens junge Leute die unter sich ein gewisses politisches Bewusstsein besaßen.

Sicherlich war die Lage in der großen Städten der Vereinigen Staaten durch den Vietnam Krieg und den Kalten Krieg ziemlich angespannt. Die Bevölkerung war gegen den Verlust einer ganzen Generation, die als Kanonenfutter verschwand. Zusätzlich kam noch der Konflikt mit Russland; ein atemberaubendes Gefühl versorgt von gegenseitigen Provokationen. Auch gab es eine Bereitschaft bzw. Fernhilfeanstellung der Afroamerikaner gegenüber der afrikanischen Ländern, die schreckliche Diktaturen erlebten. Länder, deren Gesellschaft in Armut versank. Diese Art Sprüche waren sehr wichtig, denn ganze Städte haben die Meinung gelesen oder verstanden. Das wichtigste daran war, bzw. ist bis jetzt, es entsteht eine Kommunikation oder ein Dialog lediglich in eine Richtung. Es heißt die Person, die die Wandmalerei sieht oder liest, kann die Nachricht weder zustimmen noch widersprechen. Außer ist derjenige selbst dazu fähig ein Graffitisprayer zu beantworten. Politiker und Behörden kamen dazu nachzudenken; es sei möglich dadurch eine ganze Gesellschaft aufzuhetzen, brachte sie zu dem Entscheid ausreichend Maßnahmen durchzuführen.

Nämlich; die Stimmen stumm zu halten durch die Verhaftung der Künstler und eine scharfe Regelung. Es ist bemerkenswert; nicht alle haben sich darauf eingelassen. Viele Bürgermeister und Ministerpräsidenten ließen freundlicherweise kahle Betonflächen, Bauzäune, Hauswände, U- und S-Bahn Stationen besprühen. Der Wendepunkt in dieser Entwicklung war das Vervielfachen der Nachricht. Dies geschah, als die Graffitimaler sich für eine andere Art Leinen entschieden: die Züge. „Unsere Meinung wird überall angekommen sein“, dachten sie wahrscheinlich, und sie hatten Recht. Regional Züge, und S-Bahnen funktionierten als rollende Wände, die über die Grenzen der ursprünglichen Stadt der Sprayer hinaus kamen. Die Idee entsprang eine Vernetzung nicht nur von Malen sondern auch von Meinungsaustausch. Was in Chemie Kettenreaktion genannt wird, bedeutet für eine Gesellschaft eine flächendeckende Erreichbarkeit. Somit wurden nicht nur Territorium sondern auch Menschen verbunden und aus diesem Grund, die Befürchtung der Politiker eine Niederlage zu kassieren geschürt. Die Netzwerke entwickelte sich weiter in dem die Sprayer verschiedene Bildzeitungen deren Kunstwerke, Graffitisprüche und Graffitis, veröffentlichten. Heutzutage sind diese Zeitschriften ein Teil der Kunstgeschichte und Material für die Graffiti-Forschung an Universitäten. Dieser Forschungsgang versucht die Entwicklungsperiode der Wandmalerei auszuwerten.

Die Graffitikünstler hatten es in Europa, insbesondere in Deutschland, sehr schwer. Durch einen problematischen Einstieg mussten sich europäische Sprayer, oftmals gegen die Polizei durchsetzen. Denn diese Art Kunst wurde am Anfang als Vandalismus heruntergestuft. Gleichzeitig war es nicht nur Kunst sondern auch ein Indikator für den Umwandlungsprozess einer Bevölkerung. Der Aufbruch fand in großen Städten wie London, Paris und Amsterdam statt. Dort schrieben die erste Graffitimaler, Anonyme, die europäische Geburtsurkunde der Urban Disziplin groß.