Gottfried Honegger

1 Jun — 31 Aug 2017 bei Galerie Römerapotheke in Zürich, Schweiz

16 MAI 2017
Gottfried Honegger. Courtesy of Galerie Römerapotheke
Gottfried Honegger. Courtesy of Galerie Römerapotheke

Gottfried Honegger (1917 – 2016) ist einer der bedeutendsten Schweizer Künstler. Mit seinem Wirken und seiner Kunst hat er nicht nur die Stadt Zürich mitgeprägt und bereichert, sondern auch in Paris, Cannes und New York seine Spuren hinterlassen. Sein gesamtes Leben und Schaffen spielte sich in einer inneren Zerrissenheit, der Dualität zweier Kulturen ab.

Nach den ersten Jahren im Engadin wuchs er im Zürcher Kreis vier auf und besuchte die Kunstgewerbeschule. Seine erste Frau Warja Lavater, eine erfolgreiche Illustratorin, inspirierte ihn zum Grafikberuf. Sie sei die gewesen, die ihn das Sehen und Hören lehrte. Doch selbst als sehr erfolgreicher, kommerzieller Grafiker hing sein Herz mehr an seiner Malerei, die er stets nebenbei betrieb, als an seinem Brotberuf. Zum Bruch kam es schliesslich in New York. Einerseits widerte ihn der aufkommende kapitalistische, amerikanische Konsum an. Andererseits nährten die Freundschaften mit Marc Rothko, Barnett Newman oder auch Sam Francis seinen Wunsch, vollkommen auf die Kunst zu setzen. Es war die Zeit der revolutionären Umbrüche, die sich an den Rändern der Gesellschaft und inmitten der Kunstszene bereits abzeichneten.

Die Familie Honegger zog von New York nach Paris, wo Gottfried eine Künstlerkarriere startete, die ihresgleichen sucht. Ursprünglich malte Honegger Landschaften und Portraits, schuf also gegenständliche Kunst. Nach der Erfahrung des zweiten Weltkriegs und Hitlerdeutschland mit seinem Kreuzzug gegen «Entartete Kunst» begriff er, dass die nicht gegenständlich Kunst, also die abstrakte Kunst, den Gefährlichen gefährlich ist.

Gegenständliche, «figurative Kunst gibt dem Betrachter keine Freiheit», denn der politische Grund abstrakte Kunst zu verfolgen sei, dem Menschen das Denken zu verbieten.

Denn: «Je näher die Kunst an der Natur ist, desto unfreier ist der Betrachter. Er wird damit zum reinen Konsument.» Die Abstrakte Kunst hingegen, binde die Freiheit des Betrachters mit ein, er werde durch seine Interpretation zum Mitkünstler des Werkes. Deshalb sei die abstrakte Kunst eine demokratische, während die realistische eine feudalistische, diktatorische Kunst sei.

Gottfried Honegger war ein Vertreter der konstruktiv-konkreten Kunst: einer Philosophie, die die individuelle Handschrift eines Künstlers durch klare Geometrie und monochrome Farbgestaltungen überdeckt. Eine Weltsicht dem Gefühl geschuldet, es gehe nicht um ihn als Künstler, sondern stets um die Gesellschaft und das Miteinander.

Nebst Paris, von wo er unzählig internationale Ausstellungen bestritt und vom französischen Kultusminister Jack Lang mit dem Ordre des Arts et des Lettres ausgezeichnet wurde, arbeitete und lebte er ab Mitte der Achzigerjahre vor allem in Zürich. Er schuf viele Werke im öffentlichen Raum, welche zusätzlich zu unserer Ausstellung in einem Skulpturenspaziergang durch die Stadt Zürich gebündelt werden.

Gottfried Honegger erhielt 1987 den Zürcher Kunstpreis. Im selben Jahr war er Mitbegründer der «Stiftung für Konstruktive und Konkrete Kunst Zürich». Zusammen mit Sybil Albers-Barrier gründete er 1990 in Mouans-Sartoux an der französischen Côte d’Azur den Raum der konkreten Kunst und richtete dort 1997 das Kinderatelier Kunst, Forschung, Imagination ein. Für die Schenkung Donation Albers-Honegger schufen die Architekten Gigon und Guyer dort einen 2004 eingeweihten Museumsbau l’espace de l’Art Concret.

«Die konkrete Kunst will kein Bild machen, sondern eine gesellschaftliche Kultur», sagte Gottfried Honegger und in diesem Sinne muss seine Kunst in den Lebensalltag der Gesellschaft integriert werden.

So zeigen wir im Dolder Bad in Zusammenarbeit mit der Galerie Römerapotheke die Sonderausstellung 100 Jahre Gottfried Honegger. In derjenigen Badi nota bene, in der er regelmässig mit Max Frisch badete, welcher ihm sein Theaterstück Triptychonwidmete und einst in der Zürcher Zeitung vom kleinen Meer im Wald schrieb:

«Man schlendert am Zürichberg, stampft durch sommerliche Wälder, deren saftiges Grün von Sonne tausendfach durchrieselt wird und uns mit goldenem Flimmern, mit silbernem Glitzern umfängt, und was ich in meiner Rocktasche versteckt halte, ist eine Badehose, versteckt nämlich, weil es mir doch ungereimt vorkommt, weil ich es nicht ganz glaube, bevor ich es mit eigenen Augen sehe; ein Rechteck voll warmer Adria, deren helles, so lebhaft schillerndes Grünlichblau uns überrascht und mit stummem Jubel erfüllt, eine zaubervolle Farbe, die wie das durchsichtige Leuchten eines Juwels daliegt, eingefasst in Wäldern dichten Laubes!»