Das Erbe der Rattenlinie

Lateinamerika: 70 Jahre später

28 DEZEMBER 2015,
Ein Tunnel von den Nazis in Polen Gluszyca Osówka gebaut
Ein Tunnel von den Nazis in Polen Gluszyca Osówka gebaut

Viele Geschichtsereignisse verbinden Deutschland und Lateinamerika. Allerdings das konflikthafte Geschehen der geflüchteten Nazis in der Region nach 1945, sorgte für politische Spannungen und Auseinandersetzungen zwischen südamerikanische Regierungen für mehr als zwei Jahrzehnte. Aufgrund dessen gibt es eine offene Rechnung, die schwer zu begleichen ist und kein Frist hat. Dennoch haben wir die Hoffnung, dass die Nachfolger der geflüchteten Nazis, in Südamerika lebend, zum ihren Verbrechen Stellung nehmen.

Als der Zweite Weltkrieg endete, entschieden sich viele Nationalsozialisten (Militär, Zivilisten und Kollaborateure) zu flüchten um deren Leben retten zu können. Für die vertikale Ausrichtung der NSDAP war diese Option Synonym der Desertion. In der Regel brachten sich die Nazis selbst um, aus Angst, als Kriegsgefangener der Alliierten oder der Roten Armee zu enden. Die Nationalsozialisten, die in Deutschland desertierten, nahmen die Hilfe internationale Organisationen (Regierungen und verbündete der Kirche) in Anspruch. Sie mussten geduldig auf das lateinamerikanische Exil warten. Die Route bestand aus Zwischenstationen in strategischen Städten in Spanien, Schweiz und Italien. Der Fluchtkorridor hieß zu Deutsch - Rattenlinie. Das Wort ist ein Begriff aus der Seemannssprache „Rat Line“ - aus dem englischen, wo die horizontalen Seile im Tauwerk (Treppenstufen), die zum obersten Mastteil führen, gemeint sind.

Während Soldaten aller Dienstgrade der Wehrmacht ihre Uniformen zwischen den Stadtruinen verbrannten, glaubten die Menschenrechtsorganisationen an die Bußfertigkeit der überlebenden Nationalsozialisten. Es gab mehrere Rettungswege. Einer davon startete in Flensburg und endete in den Häfen nördlich von Argentinien. Diese Route wurde schon mit dem damaligen Diktator Argentiniens, Juan Domingo Perón, dessen wirtschaftlichen Kontakte und Kapitale gehörten eingesessenen deutschen Unternehmer, abgestimmt. Andere Weggabelungen der Rattenlinie umfasste Stationen in Rom, Barcelona und mehrere Städte der Schweiz. Francos Spanien sorgte für Unterkunft und Taschengeld in Barcelona. Bis 1950 war die Hauptstadt Katalunyas eine wichtige Station der Mission. Auch Rodolfos Freude, damaliger Geheimdienstchef Perons, war nach Deutschland gekommen um die Anzahl der Männer verhandeln zu können. Aus dem Mittelmeer erreichten Schiffe die militärische Stützpunkte nördlich Buenos Aires. Von dort aus emigrierten mehr als fünf hundert Nazis in mehrere Länder der Region: Brasilien, Bolivien, Chile und Perú. Die berühmtesten Fälle: Rudolf Eichmann, Joseph Mengele oder Klaus Barbie. Auch die Legende - Hitler wäre in einem U-Boot von Dänemark nach der atlantischen Küsten Südamerikas geflüchtet. - klang immer wieder im Hintergrund mit.

Die deutsche Migranten hatten die Möglichkeit falsche Papiere mit einer neuen Identität zu bekommen. Die meisten suchten sich neue deutsche Vor- und Nachnahme aus. Die hochrangigen Wehrdienstmitglieder nutzten die Rattenlinie, wie eine Reiseagentur und ließen sich nieder, wo sie sich sicherer fühlten. Die einfachen Soldaten hatten Schwierigkeiten während der Ausreise. Jedoch hatten alle im Allgemein die Chance sich aus der Staub zu machen, bevor das Kriegstribunal in Nürnberg und später in Frankfurt seine Arbeit aufnahm.

In der Bilanz gibt es eine große Verantwortung für diejenige, die die meisten Toten verursacht hatten. Siebzig Jahre später, nach der Rattenlinie, haben wir als Erbe zwei Generationen deutsch-lateinamerikaner mit einem Tropfen des Verbrechens im Blut, mit ein wenig Schuld aufgrund des KZ-Geschehens, wo deren Väter oder Großvätern Täter gewesen waren. Haben diese deutsche Nachfahren eine moralische Verantwortung? Sind sie deren Vergangenheit bewusst? Wir wissen es noch nicht. Es gibt kein Gesetzt auf der Welt, das sie dazu zwingt sich zu äußern. Auch wenn die damalige Hilfsorganisationen, Politiker und Parteien, die mit spielten, die Merkzeichen der Familien kennen, hat keine Regierung der Region nach eine Erklärung verlangt. Es gibt kein offiziell veröffentlichtes Register oder Verzeichnis. Viele davon sind nicht über Ihre Identität informiert. Ein Teil ist in das Deutschland der Vorfahren Heimgegangen und lebt stress- und pflichtbewusstlos.

Obwohl das Erbe der Rattenlinie nicht verpflichtet ist, ist es notwendig für unsere Gesellschaft eine freiwillige Abrechnung. In der werden wir Details, Geschichten, Gefühle und eine neue Aussicht kennenlernen. Dieses könnte die Geschichte des Zweiten Weltkrieges -bereichen und beide Länder oder Regionen; Deutschland und Lateinamerika stärker aneinander binden.